Das Thema der Konferenz

Das Thema der Konferenz lautet „Kultur-Kontakt-Kultur“. Der Nahe Osten war zu allen Zeiten ein „offener Raum“, in dem sich die Wege vieler Menschen trafen. Durch den Naturraum vorgegebene Verkehrswege kanalisierten die Bewegung von Menschen und Gütern, in siedlungsgünstigen Regionen entstanden Orte für kulturelle Kontakte und Konflikte. Städte, mit ihren Märkten und Häfen, schufen Plätze der Begegnung zwischen Menschen, Gütern und Ideen.

Das Phänomen des Kulturkontaktes ist vielschichtig und kann die materielle Kultur, soziale Praktiken und gesellschaftliche Strukturen auf vielfältige Art und Weise beeinflussen. Der Kontakt mit „dem Anderen“ kann dabei ganz unterschiedliche Auswirkungen haben – von spontaner Ablehnung bis zur An- oder Übernahme. Bisweilen kann eine Kontaktsituation auch einen Prozess der Selbstreflexion einleiten. Dies gilt gleichermaßen sowohl für Individuen als auch soziale oder kulturelle Gruppen. Manchmal vermag schon ein Objekt „aus einer anderen Welt“ Veränderungen erzeugen.
Gegenstand der Tagung sollen aber nicht nur Begegnungen sein, die über geographische Distanzen hinweg vermittelt wurden, sondern auch Kontakte zwischen Gruppen innerhalb einer Gesellschaft, die eine soziale Distanz überbrückten, etwa Kontakte zwischen sozial marginalisierten und dominanten Gruppen und als solche zu neuen Kontaktkulturen führen.

Im Rahmen der 66. RAI sind sechs Themensektionen vorgesehen:

Sektion 1: Wege des Kontaktes

Diese Themensektion befasst sich mit der Art und Weise wie kulturelle Kontakte initiiert und vermittelt wurden, etwa über Handelsbeziehungen, mobile Lebensweisen, Migrationsbewegungen, militärische Eroberungen sowie die Deportation ganzer Bevölkerungsgruppen. Auch die Routen, über die Kontakte etabliert wurden, seien es Handelsnetzwerke, wichtige Überlandrouten oder Wasserwege, werden im Rahmen dieser Sektion diskutiert.

Sektion 2: Kontaktträger

Diese Sektion ist den Akteuren kultureller Kontakte gewidmet. Darunter sind Individuen und Gruppen zu verstehen, die in Kontaktsituationen agierten und Austauschbeziehungen kultureller und wirtschaftlicher Art über geographische und räumlich-soziale Grenzen hinweg initiierten und gestalteten. Als Beispiele kann hier auf Kaufleute, Flüchtlinge, Seeleute, mobile Handwerker und Pastoralisten, Gesandte, Pilger, Deportierte und Söldner verwiesen werden.

Sektion 3: Materielle Manifestationen des Kontaktes

Auf der Ebene der materiellen Kultur können kulturelle Begegnungen Adaptionsprozesse auslösen und das Bedürfnis wecken, Dinge, Stile, technologisches Wissen und kulturelle Gepflogenheiten nachzuahmen, zu übernehmen oder zu rekontextualisieren. Diese Sektion befasst sich mit Veränderungen der materiellen Kultur als Folge transkultureller Beziehungen.

Sektion 4: Manifestationen des Kontaktes in Ritual, Kult und Gesellschaft

Im Rahmen dieser Sektion soll der Einfluss interkultureller Kontakte auf Rituale, religiöse Glaubenssysteme und andere Ideologien diskutiert werden, etwa im Hinblick auf das Königtum und kommunale Institutionen altorientalischer Gesellschaften.

Sektion 5: Sprachliche Kontakte

Diese Sektion befasst sich mit sprachlichen Veränderungen als Ausdruck kultureller Kontakte, z. B. mit Blick auf den Gebrauch von Lehnwörtern und Dialektverschiebungen. Folgen diese sprachlichen Veränderungen den oben genannten Wegen des Kontaktes?

Sektion 6: Kontaktkulturen

In dieser Sektion sollen Beispiele aus der altorientalischen Geschichte diskutiert werden, die auf besonders intensive kulturelle Kontakte verweisen; als Bsp. kann hier etwa auf die Situation in der Spätbronzezeit verwiesen werden. Im Zusammenhang mit dieser Sektion soll ferner erörtert werden, unter welchen Umständen sich Gesellschaften in eine integrative oder ausgrenzende Richtung entwickelten.

Die Sektionen 1–3 werden in Frankfurt, die Sektionen 4–6 in Mainz abgehalten werden.